Vor einem Jahr startete das Experiment. Heute ziehe ich Bilanz zum Bitcoin Mining PV-Überschuss – und die fällt anders aus als erhofft.
Kurz zur Einordnung: Im Juni 2025 habe ich mein Selbstexperiment „Bitcoin Mining mit PV-Überschuss“ gestartet. Ein Antminer S19j Pro, gesteuert über Home Assistant, betrieben mit dem Überschuss meiner 14,4 kWp PV-Anlage. Nach einem Jahr ist es Zeit für ein ehrliches Fazit. Spoiler: Es wird kein Jubelartikel.
Der Rückblick – was ist passiert?
Wer die bisherigen Artikel verfolgt hat, kennt das Setup: Antminer S19j Pro mit Braiins OS, gesteuert über Home Assistant, angeschlossen über einen SONOFF POW320D Smart Schalter. Die Fronius Wechselrichter liefern die PV-Daten, Home Assistant berechnet den Überschuss und regelt den Miner automatisch hoch und runter. Das Ganze steht in der Garage – im Haus wäre es schlicht nicht auszuhalten, sowohl von der Lautstärke als auch von der Abwärme.
Über den Sommer 2025 lief das System richtig gut. An sonnigen Tagen sprang der Miner morgens an, wurde je nach Überschuss zwischen 1.000 und 2.800 Watt geregelt und ging abends wieder in den Standby. Die Automatisierung funktionierte zuverlässig und brauchte nach der initialen Einrichtung kaum noch Pflege.
Dann kam der Herbst. Und mit ihm die ernüchternde Erkenntnis: keine Sonne, kein Mining. Im Winter ging praktisch gar nichts – die PV-Anlage lieferte gerade genug für den Eigenverbrauch, an Überschuss für den Miner war nicht zu denken. Der Antminer stand also monatelang still.
Die Technik – läuft wie eine Eins

Das muss man klar sagen: technisch ist das Projekt ein voller Erfolg. Der Antminer S19j Pro läuft seit einem Jahr ohne einen einzigen Ausfall. Das Braiins OS macht seinen Job, die Home Assistant Automatisierung regelt zuverlässig und die gesamte Kette von PV-Wechselrichter über die Automatisierung bis zum Miner funktioniert problemlos.
Ich betreibe den Miner bewusst nicht auf Volllast, sondern maximal bei 2.800 Watt. Das schont die Hardware – die Chip-Temperatur bleibt entspannt bei rund 66 Grad – und bringt ein gutes Verhältnis aus Hashrate und Effizienz. Der Sprung auf die vollen 3.250 Watt bringt nur marginal mehr Hashrate bei deutlich höherer Temperatur und schlechterer Effizienz.
Pool-Mining – die ernüchternde Rechnung
Im Sommer 2025 lief der Miner über verschiedene Mining-Pools. Ich habe einige ausprobiert – Antpool, Braiins Pool, F2Pool, CloverPool – und die Erträge verglichen. Ein realistischer Tagesertrag lag bei rund 0,00003 BTC, wenn der Miner etwa 8 Stunden bei gutem Sonnenschein laufen konnte.
Klingt erstmal nach „immerhin etwas“. Aber rechnen wir das mal durch:

| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Tagesertrag (ca. 8h Mining) | ~0,00003 BTC |
| BTC-Kurs aktuell | ~60.000 € |
| Tagesertrag in Euro | ~1,80 € |
| Stromverbrauch (8h × 2 kW Ø) | ~16 kWh |
| Einspeisevergütung (selbst reduziert) | ~5–8 ct/kWh |
| Entgangene Einspeisung | ~0,80 – 1,28 € |
Selbst bei der durch das Solarspitzengesetz reduzierten Einspeisevergütung ist der direkte Vergleich ernüchternd. Ja, an manchen Stunden gibt es gar keine Vergütung wegen negativer Börsenpreise – da macht Mining Sinn. Aber in der Gesamtbetrachtung über den Tag ist der Vorteil gegenüber dem Einspeisen minimal bis nicht vorhanden. Und das bei einem BTC-Kurs, der seit letztem Jahr von rund 95.000 € auf aktuell rund 60.000 € gefallen ist.
Die bittere Wahrheit: Der BTC-Kurs ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gefallen. Was letztes Jahr schon knapp war, rechnet sich heute noch weniger. Die wenigen Satoshi, die über Pool-Mining zusammenkommen, sind in Euro umgerechnet weniger wert als die entgangene Einspeisevergütung – selbst bei den durch das Solarspitzengesetz gedrückten Sätzen.
Der Wechsel zum Solo-Mining – Lotto mit Sonnenstrom
Ende der Saison 2025 habe ich die Konsequenz gezogen und vom Pool- auf Solo-Mining umgestellt. Der Miner läuft jetzt über den CK Pool im Solo-Modus.

Die Überlegung dahinter ist simpel: Wenn sich Pool-Mining finanziell nicht rechnet, kann ich auch gleich auf das große Los setzen. Die Chance, mit meiner Hashrate einen eigenen Block zu finden, ist extrem gering – aber der Gewinn wäre mit der aktuellen Block-Belohnung von 3,125 BTC (also knapp 190.000 €) ein absoluter Gamechanger.
Wo stehe ich aktuell? Mein Miner hat bisher 40,02 Gigashares berechnet. Mein bester Share lag bei 1,56 Terashares – das klingt beeindruckend, ist aber noch ungefähr Faktor 40 vom Ziel entfernt. Es ist Lotto. Vielleicht habe ich morgen Glück, vielleicht nie. Aber der Strom ist da, der Miner steht in der Garage, und die Kosten für den Betrieb sind quasi null.
Solo-Mining mit PV-Überschuss ist im Grunde ein Lotterielos, das man mit Sonnenstrom bezahlt. Der Einsatz ist virtuell, der mögliche Gewinn real.
Würde ich den Miner nochmal kaufen?
Klare Antwort: Nein.
Die rund 700 Euro Anschaffungskosten lassen sich über Pool-Mining nur über viele Jahre wieder reinholen – wenn überhaupt. Ich hatte auch kurz überlegt, auf einen moderneren Antminer S21 Pro umzusteigen, der bei gleicher Leistungsaufnahme fast die doppelte Hashrate liefert. Aber die Anschaffungskosten sind so viel höher, dass sich die Rechnung erneut nicht aufgeht.
Mein Miner ist jetzt da, also läuft er weiter. Die Preise für gebrauchte S19-Modelle sind mittlerweile auch ziemlich am Boden – teilweise unter 600 Euro. Das sagt einiges über den Markt aus.
Mein Fazit nach einem Jahr
Was gut funktioniert: Die Technik ist absolut solide. Home Assistant mit dem Miner-Plugin, Braiins OS und die PV-Anbindung über Fronius – alles läuft stabil und wartungsfrei. Wer Spaß an Heimautomatisierung und Technik hat, bekommt hier ein tolles Projekt. Die Automatisierung des Miners über PV-Überschuss funktioniert zuverlässig und man lernt extrem viel über Mining, Hashrates, Pools und das Bitcoin-Netzwerk.

Was nicht funktioniert: Die wirtschaftliche Seite. Pool-Mining rechnet sich bei einem einzelnen S19j Pro mit PV-Überschuss nicht – schon gar nicht bei einem BTC-Kurs von 60.000 €. Der Miner steht im Winter still, und selbst im Sommer sind die Erträge in Euro geringer als das, was man über die Einspeisevergütung bekommen hätte. Solo-Mining ist ein reines Glücksspiel.
Meine Empfehlung
Wenn mich heute jemand fragt, ob er sich einen Miner für den PV-Überschuss kaufen soll, ist meine analytische Antwort klar: Nein, tu es nicht. Die Chancen sind zu gering und die Rechnung geht in den allermeisten Fällen nicht auf.
Aber – und das ist das große Aber – wenn du es als Hobby betrachtest, Spaß an der Technik hast und den Miner als eine Art Lotterielos mit Sonnenstrom siehst: why not? Der Strom ist da, die laufenden Kosten sind quasi null, und die kleine Chance auf einen Solo-Block macht das Ganze zumindest spannend.
Sollte ich morgen einen Block finden, sieht die Welt natürlich komplett anders aus. Dann schreibe ich hier einen ganz anderen Artikel. Bis dahin bleibt es bei dem, was es ist: ein spannendes Technikprojekt mit einer ernüchternden wirtschaftlichen Bilanz.
TL;DR: Nach einem Jahr Bitcoin Mining mit PV-Überschuss ist das Fazit klar: technisch top, wirtschaftlich flop. Pool-Mining bringt weniger als die Einspeisevergütung, Solo-Mining ist Lotto. Ich würde mir keinen Miner mehr kaufen – lasse meinen aber weiterlaufen, weil der Strom ohnehin da ist. Wer es als Hobby sieht und die ~700 € investieren will: kann man machen. Wer Geld verdienen will: Finger weg.
Wie sind Deine Erfahrungen nach einem Jahr Bitcoin Mining? Hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht oder siehst Du das komplett anders? Ich freue mich auf den Austausch in den Kommentaren!




