Experiment beendet: Warum ich meinen Bitcoin Miner verkauft habe

Vor ein paar Tagen wurde er abgeholt. Ich habe meinen Bitcoin Miner verkauft, und damit ist mein Selbstexperiment „Bitcoin Mining mit PV-Überschuss“ nach gut einem Jahr offiziell beendet. Wer die Serie hier auf dem Blog verfolgt hat, weiß: Der Antminer S19j Pro stand in meiner Garage, wurde über Home Assistant gesteuert und lief ausschließlich mit dem Überschuss meiner 14,4 kWp Anlage. Technisch ein voller Erfolg. Wirtschaftlich, nun ja, dazu gleich mehr.

Das hier ist der Abschluss-Artikel. Kein großes Drama, eher ein ehrliches „so, das war’s“.

Der Auslöser: ein E-Auto

Angefangen hat das Ganze mit einer ganz anderen Überlegung. Wir tragen uns gerade mit dem Gedanken, uns ein E-Auto zuzulegen. Und in dem Moment, in dem man anfängt, über eine Wallbox und das Laden mit dem eigenen Solarstrom nachzudenken, stellt sich automatisch die Frage: Wo geht mein PV-Überschuss eigentlich am sinnvollsten hin?

Genau da wurde mir klar, dass mein eigenes Argument aus der Ein-Jahres-Bilanz nicht mehr trägt. Damals habe ich geschrieben: „Ich würde mir keinen Miner mehr kaufen, lasse meinen aber weiterlaufen, weil der Strom ohnehin da ist.“ Der Strom ist immer noch da. Aber er hat plötzlich eine deutlich bessere Verwendung. Jede Kilowattstunde, die ich ins Auto lade, spart mir bares Geld an der Zapfsäule. Jede Kilowattstunde in den Miner war ein Lotterielos.

Ehrlich gesagt war das E-Auto aber nur der Anstoß. Der eigentliche Grund liegt tiefer.

Der eigentliche Grund: die Rechnung ging nie auf

PV-Anlage ist installiert

Ich will hier nichts schönreden. Die wirtschaftliche Bilanz war von Anfang an ernüchternd, und sie ist es geblieben. Ich habe das in den bisherigen Artikeln immer wieder durchgerechnet: beim Miningpool-Test, bei der Effizienz-Betrachtung und ganz besonders in der Ein-Jahres-Bilanz.

Das Kernproblem in einem Satz: Die paar Satoshi, die über Pool-Mining zusammenkommen, sind in Euro weniger wert als die Einspeisevergütung, auf die ich dafür verzichte. Dazu kommt der Klassiker: Im Winter steht der Miner sowieso still, weil die PV gerade so den Eigenverbrauch deckt. Effektiv war das also ein Sommer-Hobby.

Solange der Strom keine bessere Alternative hatte, konnte man das mit „ist halt ein spannendes Technikprojekt“ rechtfertigen. Sobald es aber eine konkrete, planbare Alternative gibt, die garantiert Geld spart, fällt diese Rechtfertigung in sich zusammen.

Solo-Mining — das Los blieb ein Los

Am Ende hatte ich den Miner ja bewusst vom Pool auf Solo-Mining umgestellt. Die Logik war: Wenn sich Pool-Mining eh nicht rechnet, setze ich lieber gleich auf das große Los und hoffe auf einen eigenen Block.

Das Ergebnis nach der gesamten Laufzeit: kein Block. Wie erwartet. Die Chance, mit der Hashrate eines einzelnen S19j Pro einen Block zu finden, ist so verschwindend gering, dass „unwahrscheinlich“ noch schmeichelhaft ist. Es war ein Lotterielos, bezahlt mit Sonnenstrom, und wie die allermeisten Lose ist es leer ausgegangen.

Und genau da liegt der Punkt: Ein Lotterielos, das nie zieht, ist irgendwann kein Nervenkitzel mehr, sondern nur noch verschenkter Strom. Wenn dieser Strom stattdessen mein Auto bewegen kann, ist die Entscheidung ehrlich gesagt nicht schwer.

Bitcoin Mining - ein Lotterie Ticket

Der Verkauf — die ehrliche Abschlussbilanz

Kommen wir zum unangenehmen Teil, den man in solchen „Experiment beendet“-Artikeln gerne weglässt: dem Verkaufspreis.

Ich habe den Antminer S19j Pro deutlich unter meinem Einstand verkauft, für unter 400 Euro, bei ursprünglich rund 700 Euro Anschaffung. Der Gebrauchtmarkt für die S19-Generation ist schlichtweg am Boden. Diese Miner sind technisch überholt, überall verfügbar und entsprechend billig. Das war absehbar, ich hatte es in der Ein-Jahres-Bilanz schon angedeutet. Trotzdem tut so ein realer Verlust ein bisschen weh, wenn man ihn dann tatsächlich verbucht.

Rechnet man alles zusammen (Anschaffungsverlust, der geringe Mining-Ertrag, die entgangene Einspeisevergütung), dann war das Experiment unterm Strich ein Minusgeschäft. Aber, und das ist mir wichtig: Ich habe das nie als Investment betrachtet, sondern als Lehrgeld für ein Technikprojekt. Und dieses Lehrgeld war es mir wert.

Was bleibt

Bereue ich das Experiment? Kein bisschen. Ich habe in diesem Jahr mehr über Bitcoin, Hashrates, Mining-Pools, Effizienz und das Zusammenspiel von PV, Home Assistant und Lastregelung gelernt als aus jedem YouTube-Video. Die komplette Automatisierung, das Hoch- und Runterregeln des Miners je nach PV-Überschuss, lief am Ende wartungsfrei und stabil. Das war Bastelspaß pur.

Was ich mitnehme, ist eigentlich eine ganz simple Erkenntnis: Selbst erzeugter Strom ist zu wertvoll, um ihn zu verlotten. Solange es keine bessere Verwendung gibt, kann man mit Überschuss experimentieren, spielen, lernen. Aber sobald eine Verwendung auftaucht, die planbar und garantiert Geld spart, bei mir das E-Auto, gewinnt die Vernunft. Und das ist auch gut so.

Der Platz in der Garage ist jetzt frei. Die Wallbox kann kommen.

Hast Du auch mit Mining oder anderen Verwendungen für Deinen PV-Überschuss experimentiert? Wie nutzt Du Deinen Solarstrom am liebsten — Wärmepumpe, Speicher, E-Auto? Ich freue mich auf den Austausch in den Kommentaren!

This article was written by Thomas Schiffler

Ich bin Thomas Schiffler – Softwareentwickler und IT-Architekt. Beruflich beschäftige ich mich intensiv mit dem sinnvollen Einsatz von KI-Agenten in der Produkt- und Anforderungsarbeit – als Verstärkung, die den Menschen unterstützt, statt ihn zu ersetzen. Privat gilt meine Begeisterung Smart-Home-Automatisierung, Raspberry-Pi-Projekten und allem, was den Alltag smarter macht. Auf schiffler.eu teile ich meine Erfahrungen, Ideen und Experimente aus beiden Welten.

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